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6.6.2009 von admin.
Liebe Leser,
soeben ist es uns gelungen, erste Fotos des wahrscheinlich im Juni 2009 in Serie gehenden Modells “Capriccio-Kulturforum“ auf dem Schwarzmarkt zu ergattern. Das Modell stellt eine echte Alternative zum bisherigen Marktführer in der Kategorie “Klassikforum” dar.
Technische Daten:
0 auf 169 User in 16 Tagen
Tankinhalt: 311 Themen
Verbrauch: 5.790 Beiträge / 311 Themen
Motor: Demokratie
Plattform: eingetragener Verein
Boardsoftware: WoltLab Burning Board 3.0.9
und hier das erste Foto dieses Spitzenmodells; an einigen Stellen ist es noch verfremdet, aber die Konturen und das Profil sind schon deutlich zu erkennen:
Hierzu ein Kommentar von Edwin Baumgartner, der seine persönliche Meinung wiedergibt:
Es gibt ein neues Diskussionsforum für klassische Musik?
Noch eines?
Ja. Und das ist gut so.
Sein Name ist Capriccio, zu erreichen ist es unter http://www.capriccio-kulturforum.de
Kaum studiert der aufmerksame Besucher, fällt ihm auf:
Da kennen sich viele untereinander offenbar aus einem andren Forum. Der Besucher mag nun rätseln, was da los gewesen sein mag.
Also lösen wir das Rätsel gleich: Capriccio ist eine Gründung von Musikbegeisterten, die es unmöglich fanden, sich im Klassikforum Tamino weiterhin wohl zu fühlen.
Das hatte seine Gründe, und die Gründe haben einen Namen: Alfred Schmidt.
Der Wiener Forenbetreiber sah es nicht gerne, wenn über die braune Vergangenheit seiner Lieblingsdirigenten Herbert von Karajan und Karl Böhm diskutiert wurde. Er sah es generell nicht gerne, wenn über braune Vergangenheiten diskutiert wurde. Lieber startete er Threads mit dem einzigen Ziel, das Forum und sich selbst beweihräuchern zu lassen.
Er fühlte sich als Kapitän auf einem Schiff. Auf einem Schlachtschiff, wohlgemerkt. Denn sein martialisches Vokabular hätte durchaus in die Armeen der jüngeren Vergangenheit gepasst, die heutigen sind da schon zu demokratisch.
Da bemühte Schmidt ein Vokabular, in dem es Wörter wie „Feindforen“ gab – was alle Klassikforen waren außer Tamino. Und überhaupt entfesselte Schmidt eine Rhetorik, die auch einem Napoleon gut zu Gesicht gestanden wäre:
„Meine Anhänger jedoch folgten mir“
und
„Ich beschließe das Forum totzuschweigen und auszuhungern“
war da zu lesen.
Ganz dick aber kam es, wenn Schmidt einen „Feind“ ortete:
„allein mein angeborenesd Misstrauen macht dies unmögklich - ich sehe einen TODFEIND in ihm.[…]Heute nachmittag fan die “Hinrichtung” der Nuitzers XXXXXX satatt“, konnte man da beispielsweise lesen, und ausnahmsweise habe ich Schmidts originelle Orthographie nicht stillschweigend korrigiert.
Man konnte auch lesen: „Selbst wenn XXXXXX - was sowieso nicht zu erwarten ist sein Forum aufgeben würde - Ich würde ihm nie wieder vertrauen -ich mag ihn nicht ja ich verabscheue ihn sogar“. Und einmal teilte Schmidt auch die Maximen seiner Aussöhnungspolitik mit: “Ich bin nachtragend bis über den Tod
hinaus und das Wort ‚Versöhnung‘ existiert in meinem Sprachschatz nicht.”
Das alles nahm man hin, weil einige wirklich kompetente Diskussionspartner an Tamino teilnahmen, die man schlicht und einfach nicht verlieren wollte.
Gerade die jedoch sorgten dafür, dass das von Schmidt als Bollwerk gegen die Moderne gedachte Forum immer Moderner wurde, die kompetentesten Beiträge über das Regietheater hatte, Neue Musik analytisch beleuchtete und in den großen kulturellen Zusammenhängen verortete und die falschen Künstler-Popanze der Vergangenheit mitunter recht unsanft, aber immer noch argumentativ hochwertig, vom Sockel stieß.
Zeit für einen Befreiungsschlag, fand Schmidt. Und feuerte ein weibliches Mitglied, das die Frechheit gehabt hatte, ihm zu widersprechen und demokratischen Umgang mit Mitgliedern einzumahnen. Dass diese Mitdiskutantin einen vollendet höflichen Umgangston pflegte und obendrein in Sachen Liedgesang und französische Vokalmusik einzigartige Fachkompetenz besaß, kümmerte den gekränkten Forenbetreiber nicht einmal dann, als sich die Mehrheit der von ihm ernannten Mit-Moderatoren gegen den Ausschluß aussprach.
Demokratie ist, was Schmidt als solche bezeichnet.
Dass eine Solidarisierungswelle einsetzen würde, war Schmidt klar. Wie breit diese ausfallen würde, dürfte er jedoch unterschätzt haben. Tamino verlor binnen kürzester Zeit über 50 seiner wesentlichsten Mitglieder – nämlich, bis auf an einer Hand abzählbare Ausnahmen, all jene, die das hohe Niveau und die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem sicherten.
Und genau diese Abtrünnigen fanden sich nun also zu Capriccio zusammen. So gibt es etwa demokratische Strukturen mit einem Verein als Träger, dem man freiwillig beitreten kann, wenn man beispielsweise an den Wahlen der Moderatoren teilnehmen will. Es besteht allerdings, möchte man nur mitdiskutieren, keinerlei Verpflichtung, dem Verein anzugehören.
Das wahrscheinlich wichtigste Projekt von Capriccio ist eine Sammlung von Namen und Kurzbiografien all jener Komponisten, Sänger und Musiker, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Darin drückt sich, neben dem Bewahren der Erinnerung, der man sich seitens Capriccio verpflichtet fühlt, die klare antifaschistische Basis des Forums aus.
Die Mundpropaganda war übrigens so stark, dass schon während des nicht-öffentlichen Testbetriebs durchschnittlich vier neue Anmeldungen täglich zu verzeichnen waren.
Sicherlich kocht Capriccio auch nur mit Wasser – aber es könnte sein, dass dieses Wasser einfach von besonderer Qualität ist.
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